Patient:innen berichten in Gesprächen von einer Zunahme von Sorgen und Ängsten, vor allem bezüglich der Zukunft. Häufig wird das Gefühl der Unkontrollierbarkeit als besonders belastend erlebt. Die Folge ist eine Zunahme von Grübeln und Sorgen, so etwa das Ausmalen möglicher Worst-Case-Szenarien.

Bereits vorbestehende Erkrankungen wie Depression können verstärkt werden. Ein fundamentaler Baustein psychischer Gesundheit und allgemeinen Wohlbefindens ist die Pflege sozialer Kontakte – ein entspanntes Beisammensein ist im Lock-Down nicht möglich. Kontakt zu nahestehenden Menschen über Telefon und Messenger halten, kann kurzfristig helfen ein Gefühl der Verbundenheit herzustellen, wird aber von vielen Patient:innen als unzureichender Ersatz befunden. Die Folge ist ein verstärktes Gefühl von Einsamkeit. Dies betrifft insbesondere Alleinlebende. Bei Partner:innen, die im gleichen Haushalt wohnen, oder Familien können wiederum verstärkt Konflikte auftreten. 

 

Gibt es auch positive Auswirkungen? 

Weniger Verpflichtungen und Termine werden von vielen Patient:innen als Bereicherung erlebt, der Alltag fühlt sich weniger hektisch an. Daraus können sich langfristig hilfreiche Erkenntnisse ergeben: „Welche Menschen vermisse ich tatsächlich? Zu wem will ich nach dem Lock-Down den Kontakt intensivieren? Wie will ich meinen Alltag gestalten?“

In Anbetracht der Tatsache, dass die Pandemie uns verdeutlicht, wie wenig planbar das Leben ist, berichten viele Menschen, mehr im Hier&Jetzt zu leben und sich an Kleinigkeiten zu erfreuen. Jetzt, wo erste Lockerungen wirksam werden, begegnen wir Situationen, die vorher selbstverständlich genommen wurden, mit mehr Freude und vor allem Dankbarkeit. Letzteres sollten wir uns unbedingt beibehalten, da Studien zeigen, dass das Praktizieren von Dankbarkeit langfristig das psychische und körperliche Wohlbefinden stärken kann (zum Weiterlesen: https://www.spektrum.de/news/sei-dankbar/1774092).