Emotionales Essen bedeutet, verschiedene Gefühle wie z.B. Angst, Wut oder eine innere Leere durch Nahrungsaufnahme zu kontrollieren. Diese Form der Gefühlsbewältigung ist in Deutschland weit verbreitet: Etwa ein Drittel der Bevölkerung tut es.

Auch unter Kindern ist es ein Mittel, welches oft angewendet wird, um unangenehme Gefühle nicht wahrnehmen zu müssen. Im Kleinkind- und Säuglingsalter geschieht das über die versorgenden Bezugspersonen, später greifen Kinder und Jugendliche selbst darauf zurück, da sie es als Strategie gelernt haben, die gut funktioniert. Es funktioniert so gut, da Nahrung viele verschiedene Sinne anregt wie z.B. den Geruchs- und Geschmackssinn und Glückshormone freisetzt. Bereits bei Säuglingen ist zu beobachten, dass wenige Tropfen Zuckerwasser ausreichen, um z.B. das Schreien nach dem Impfen zu beenden. Da auch viele Eltern dazu neigen, sich über Nahrungsaufnahme emotional zu regulieren, greifen sie auch bei ihren Kindern auf dieses Mittel zurück, wenn sie unterschiedliche Bedürfnisse durch Schreien oder andere Stressreaktionen zeigen und beruhigen sie mit der Flasche oder einem Snack.

Säuglinge erleben Hunger zunächst als einen diffusen unangenehmen Zustand, welcher dann erst durch Erfahrung des Essens als Hunger erkannt wird. Wenn sie jedoch häufig gefüttert werden, wenn sie gar nicht hungrig sind, lernen sie ihre Bedürfnisse gar nicht erst zu unterscheiden. Später fällt es ihnen schwer, ihre Gefühle wahrzunehmen und zu unterscheiden und sie greifen auf Essen als Gefühlsregulationsmittel zurück. Dadurch kann Übergewicht entstehen, und es werden keine anderen Strategien zur Gefühlsregulierung erlernt.

Literaturhinweis Thema Emotionales Essen:

Psychotherapeutenjournal, September 21, Michael Macht, Emotionales Essverhalten: Mechanismen, Entstehung, Behandlung.

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