Index Störungsbilder/Glossar

Als Einnässen bezeichnet man die nicht organische Harninkontinenz. Sie beschreibt einen unwillkürlichen Verlust von Urin bei einem Kind ab dem Alter von 5 Jahren. Für die Diagnose ist der Ausschluss einer somatische Ursache, wie etwa organisch-strukturelle Auffälligkeiten oder Epilepsie. sowie Unterschieden wird zwischen dem Einnässen tagsüber (Enuresis diurna) und dem nächtlichen Einnässen (Enuresis nocturna), wobei auch kombinierte Formen vorkommen können. Das Einnässen gehört zu den häufigsten Störungen des Kindesalters. Nachts nässen ca. 10%, tagsüber ca. 2-3% der Siebenjährigen ein. Die Ursachen für das Einnässen bei Kindern- und Jugendlichen können komplex sein. Deshalb ist zu Beginn einer Behandlung eine umfassende Diagnostik inklusive körperlicher Untersuchungen notwendig. Diagnostik und Therapie können in vielen Fällen ambulant durchgeführt werden. Ziel der therapeutischen Bemühungen sind u.a. der Erwerb der vollständigen Blasenkontrolle, Abbau von Sorgen und Ängsten sowie psychosozialer Belastungen.  

Weiterführende Informationen zum Thema Einnässen erhalten Sie unter:  https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/028-026l_S2k_Enuresis_nicht-organische_Harninkontinenz_Kiner_Jugendliche_2015-12-abgelaufen.pdf

Vereinzelte Suizidgedanken treten bei einer depressiven Erkrankung häufig auf. Diese entspringen häufig dem Wunsch, dem anhaltenden Gefühl von Hoffnungslosigkeit und innerer Leere zu entfliehen. Betroffene schildern oft auch einen passiven Erlösungswunsch („Es wäre einfacher, wenn alles vorbei wäre.“). Es kann vorkommen, dass sich aus diesen Gedanken konkrete Handlungspläne- und absichten entwickeln. Bei einer konkreten Selbsttötungsgefahr spricht man von Suizidalität. Insbesondere Menschen, die eine schwere depressive Episode erleben, haben ein erhöhtes Risiko sich tatsächlich das Leben zu nehmen. Man spricht dann von einem Suizid.

Wenn Sie bemerken, dass Sie Suizidgedanken haben, vertrauen sich ihre:r Hausärzt:in, ihre.r Therapeut:in oder ihre:r Psychiater:in an.

Auch die Telefonseelsorge ist für Sie erreichbar und berät bei lebensmüden Gedanken: 0800 111 0 111 sowie 0800 111 0 222

In akuten Krisen, bei drängenden Suizidgedanken, wenden Sie sich bitte an die 112. Diese ist auch für psychische Notfälle zuständig!

Ausführliche weitere Informationen zum Thema Suizidalität finden Sie hier: https://www.deutsche-depressionshilfe.de/depression-infos-und-hilfe/depression-in-verschiedenen-facetten/suizidalitaet https://www.therapie.de/psyche/info/index/diagnose/suizid/tabu-selbsttoetung/

Kinder und Jugendliche, die unter einer Panikstörung leiden, haben immer wiederkehrende starke Angstattacken. Gehäuft tritt diese Form der Angststörung bei älteren Jugendlichen auf, seltener sind jedoch auch kleinere Kinder betroffen.

Eine Panikattacke äußert sich oft durch starke körperliche Symptome wie Herzrasen, Erstickungsgefühl oder auch Angst, die Kontrolle über den Körper zu verlieren und zu sterben. Da diese Attacken meist nicht in Zusammenhang mit bestimmten Situationen auftreten, sind sie für Betroffene schwer einzuschätzen und treten plötzlich wie aus dem Nichts auf. Daraus entwickelt sich daher oft eine Angst vor der Angst, und es werden alltägliche Situationen vermieden, was eine normale Alltagsgestaltung meistens unmöglich macht und sowohl die Kinder und Jugendlichen als auch die Familienangehörigen stark einschränkt.

Regelmäßige Panikattacken sollten auf jeden Fall ärztlich abgeklärt werden und können im Rahmen einer Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie meist gut behandelt werden.

Literaturhinweise:

www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org

Der Begriff „Depression“ findet sich mittlerweile häufig in den Medien wieder, Prominente und Spitzensportler:innen sprechen offen über ihre Erkrankungen. Kein Wunder, beträgt doch die Wahrscheinlichkeit, im Laufe des Lebens an einer Depression zu erkranken, zwischen 12-16% für Männer und 20-26% für Frauen[1].

Sätze wie „Sei doch nicht mehr so traurig“ und „Reiß dich mal zusammen“, die viele Menschen mit Depressionen kennen, sind weder hilfreich noch entsprechen sie den Tatsachen. Depression ist eine Erkrankung, die sich auf psychischer und körperlicher Ebene ausdrückt, und bei der Betroffene nicht einfach so ihr Verhalten und Gefühlserleben ändern können.

Doch welche Symptome sind tatsächlich typisch für depressive Erkrankungen? Man spricht von drei zentralen oder Kernsymptomen:

  • Sogenannte „depressive Stimmung“, damit ist eine anhaltende Niedergeschlagenheit, Traurigkeit oder auch ein Gefühl der inneren Leere gemeint.
  • Interessen- und Freudverlust: alle Aktivitäten und Dinge, die normalerweise Spaß machen, erscheinen plötzlich sinnlos und lösen keine angenehmen Gefühle mehr aus.
  • Antriebslosigkeit: es fällt schwer, sich zu Dingen aufzuraffen, ein Gefühl von Kraftlosigkeit breitet sich aus, man ist schnell müde und erschöpft.

Weitere typische Symptome sind Schlafstörungen, Grübeln, Verlust der Libido, Konzentrationsschwierigkeiten, Appetitverlust, andauernde Schuldgefühle, Suizidgedanken und ein Verlust des Selbstvertrauens. Nicht bei allen Menschen, die an einer Depression leiden, zeigen sich all diese Probleme! Die Symptome müssen üblicherweise mindestens zwei Wochen anhalten, um die Diagnose stellen zu können. Depressionen können einmalig auftreten oder im Verlauf des Lebens einmal oder mehrfach wiederkehren. Dann spricht man von sogenannten „rezidivierenden depressiven Erkrankungen“.

Depression wird nach unterschiedlichen Schweregraden – leicht, mittelgradig und schwer – differenziert. Je nach Ausprägung der Störung können die Folgen so weitreichend sein, dass Betroffene ihren Alltag nicht mehr bewältigt zu bekommen und bereits das Verlassen des Bettes als unlösbare Aufgabe scheint. Auch die Behandlung richtet sich nach Schweregrad: leicht und mittelgradige depressive Erkrankungen sind gut mit einer Verhaltenstherapie zu behandeln, bei schweren Depressionen ist die Gabe eines entsprechenden Medikaments (sogenannte Antidepressiva) nötig.

[1] Margraf, J. & Schneider, S. (2018). Lehrbuch der Verhaltenstherapie, Band 2: Psychologische Therapie bei Indikationen im Erwachsenenalter. Springer.

Die soziale Phobie ist ein Störungsbild, welches bei Kindern und Jugendlichen verhältnismäßig häufig auftritt. Um es von vorübergehenden entwicklungsbedingten Rückzugstendenzen abzugrenzen, müssen die Symptome über einen Zeitraum von mindestens 6 Monaten auftreten. Diese können bereits bei sehr kleinen Kindern auftreten, bei den meisten Patient_innen entstehen sie zwischen dem 10. und 15. Lebensjahr.

Bei Erwachsen und Jugendlichen äußert sich die Erkrankung meist in Vermeidung von sozialen Kontakten und Interaktionen oder Vermeidung von Situationen, in welchen soziale Interaktion wichtig ist. Bei kleineren Kindern kann es sich auch in Anklammern an die Eltern, lautes Schreien oder “gelähmt sein” bei nicht vertrauten Personen äußern. Die soziale Phobie kann sich auf den Kontakt zu Erwachsenen, aber auch zu Gleichaltrigen beziehen. Die meisten berichten von einer großen Angst, im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen oder sich unangemessen zu verhalten. Oft äußert sich die Erkrankung bei Jugendlichen im Alltag in sozialem Rückzug, Schulabsentismus oder übermäßigem Medienkonsum.  

Wenn die soziale Phobie frühzeitig behandelt wird, können die Symptome deutlich gemindert und Folgeerkrankungen wie z.B. Depression verhindert werden. 

 

Literaturhinweise: 

www. Angsthilfe.de 

www. aerzteblatt.de 

Unter Einkoten (Enkopresis) wird das willkürliche oder unwillkürliche Absetzen von Stuhl an nicht dafür vorgesehenen Stellen ab einem Alter von vier Jahren verstanden.

Die Störung kann eine abnormale Verlängerung der normalen Inkontinenz im Kleinkindalter, einen Verlust der Kontinenz nach bereits vorhandener Darmkontrolle oder das absichtliche Absetzen von Stuhl an dafür nicht vorhergesehene Stellen beinhalten. Im Rahmen der Diagnostik muss eine organische Ursache der Stuhlinkontinenz ausgeschlossen werden. Im Grundschulalter sind ca. 1% bis 3% der Kinder betroffen.

Bei der Behandlung des Einkotens erwies sich eine verhaltenstherapeutische, symptomorientierte Intervention am wirksamsten. Die Verhaltenstherapie umfasst u.a. Toilettenprotokolle, Aufmerksamkeitstraining und Toilettentraining. Ziel der Therapie ist eine vollständige Kontrolle über die Darmentleerung aufzubauen.

Weitere Informationen zum Thema Einkoten erhalten Sie unter: https://www.kinderaerzte-im-netz.de/krankheiten/einkoten-enkopresis/was-ist-einkoten-enkopresis/

Mobbing bedeutet, dass die Betroffenen psychischer Gewalt von einer Gruppe oder Einzelpersonen ausgesetzt werden. Mobbing kann unterschiedliche Formen annehmen. Betroffene können u.a. fortgesetzt geärgert, schikaniert, blamiert oder gemieden werden. Eine einheitliche Definition für Mobbing existiert nicht. Viele Definitionen gleichen sich jedoch in den folgenden vier Aspekten:

  1. Mobbing bezieht sich auf ein Verhaltensmuster, nicht auf einzelne Handlungen. Die Handlungsweisen sind demnach systematisch und wiederholen sich ständig.
  2. Mobbing bezeichnet negative Handlungen, die auf verbaler, non-verbaler und/oder physischer Ebene erfolgen können.
  3. Häufig zeichnen sich Mobbing-Situationen durch ungleiche Machtverhältnisse aus. Die Betroffenen sind dem oder den Mobbenden z.B. durch die Stellung in einer Gruppe oder der Anzahl an Personen unterlegen.
  4. Mobbing zielt häufig auf eine Einzelperson ab, dass im Handlungsverlauf häufig Schwierigkeiten zeigt, sich zu verteidigen und eine Opfer-Rolle einnimmt.

Die daraus resultierenden psychosozialen Folgen münden nicht selten in einer depressiven Erkrankung oder einer Sozialen Phobie, im Kindesalter oftmals begleitet von anderen Erkrankungen, wie etwa Einnässen.

Weitere Informationen zum Thema Mobbing erhalten Sie unter: https://www.malteser.de/aware/hilfreich/mobbing-hilfe-fuer-betroffene.html

Die Prüfungsangst ist eine besondere Form sozialer Angst. Hierunter versteht man eine Angst vor der Bewertung durch andere, die in Prüfungssituationen auftritt. Die Prüfung selbst wird als Bedrohung erlebt, welcher die Betroffenen sich schutzlos ausgeliefert sehen.

An ein Bestehen oder gutes Abschneiden glauben die Prüflinge nicht.  Schon Tage vor der Prüfung erleben sie Übelkeit, Panikattacken und Schlaflosigkeit. Während der Prüfung selbst kann sich ein Blackout einstellen, der sie daran hindert, das Erlernte abzurufen. Nach der Prüfung dominieren häufig Versagensgefühle, Niedergeschlagenheit und die Sorge vor schlechten Noten oder ruinierten Lebensläufen.

Große Auswirkung auf die erlebten Gefühle hat hier die persönliche Einstellung zu Prüfungen. Erprobt haben sich hier im Rahmen einer Verhaltenstherapie neben einer langfristigen Vorbereitung zum Beispiel das „ABC der Gefühle“.  

 

Weitere Informationen der Uni Bielefeld:

https://www.uni-bielefeld.de/erziehungswissenschaft/scs/pdf/leitfaeden/studierende/pruefungsangst.pdf 

Als Demenz bezeichnet man eine anhaltende oder fortschreitende Beeinträchtigung des Gedächtnisses, des Denkens oder anderer Hirnleistungen. Unterschieden werden die primäre und sekundäre Demenz.

Unter primärer Demenz werden Demenzformen zusammengefasst, die eigenständige Krankheitsbilder sind und ihren Ursprung im Gehirn haben. Am häufigsten hierbei ist die Alzheimer Demenz.

Als sekundäre Demenz werden dementielle Erkrankungen bezeichnet, die durch Medikamente oder andere Erkrankungen verursacht werden z.B. durch Alkoholsucht oder Vitamin-Mangelzustände.

In Deutschland leiden ca. 6-9% der über 65-Jährigen an einer Demenz. Neben der medikamentösen Therapie können sich verhaltenstherapeutische Ansätze positiv auf die Krankheitsbewältigung und die Lebensqualität der Betroffenen auswirken und sie in der Erhaltung von persönlichen Kompetenzen und Ressourcen unterstützen.

Ausführliche Informationen zum Thema Demenz erhalten Sie unter: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/pflege/online-ratgeber-demenz/krankheitsbild-und-verlauf.html

Der Begriff Lernstörung bezeichnet einen erheblichen Unterschied zwischen den zu erwartenden Fähigkeiten einer Person und den aktuellen kognitiven Leistungen. Betroffene zeigen bereits zu einem frühen Zeitpunkt Defizite im Lesen, im Rechnen oder im Gebrauch von Sprache. Zu den allgemeinen Lernstörungen gehören auch die sogenannten Teilleistungsstörungen wie die Dyskalkulie und die Lese-Rechtschreibstörung.

Schätzungen gehen davon aus, dass etwa 5% der Heranwachsenden von einer Lernstörung betroffen sind und zusätzliche Unterstützung benötigen. Nach einer umfangreichen Diagnostik, bei der andere mögliche Ursachen für die auftretenden Schwierigkeiten ausgeschlossen werden müssen, können verschiedenste Interventionen erfolgen. Zum einen kann das Kind Unterstützung durch einen speziell dafür ausgebildeten Lerntherapeuten erhalten. Des Weiteren können in der Schule Hilfsmaßnahmen wie eine sonderpädagogische Förderung oder ein sogenannte Nachteilsausgleich umgesetzt werden.

Die Somatisierungsstörungen fallen unter die Unterkategorie der Somatoformen Störungen. Bei Somatisierungsstörungen leiden die Patienten, v.a. Frauen unter multiplen, häufig wechselnden körperlichen Symptomen, die in allen Organsystemen auftreten können, ohne organische Ursache. Es handelt sich hierbei um ein komplexes Erkrankungsbild, da sich betroffene Patienten auf die Symptome fixieren bzw. versteifen.

Die Störung lässt sich anhand von Merkmalen wie erstmaliges Auftreten meist vor dem 30 Lebensjahr festhalten. Des Weiteren sind Vielfältige und wechselnde Symptome über mindestens 2 Jahre ein Merkmal, wodurch sich in der Folge eine Schon– und Vermeidungshaltung entwickelt. Auch Hoher Leidensdruck, welcher dadurch entsteht, dass die Patienten sich ständig mit den Symptomen beschäftigen ein weiteres Merkmal, aber auch fehlende Einsicht, dass der Erkrankung keine organische Ursache zugrunde liegt. Patienten mit Somatisierungsstörungen bringen eine Vielzahl von Befunden von diversen Ärzten mit, weil sie auf der Suche nach der Ursache von Arzt zu Arzt gehen.

Empfohlen wird eine Verhaltenstherapie in Kombination mit Antidepressiva. Ca. 13% aller Menschen sind einmal in ihrem Leben von einer somatoformen Störung betroffen, Frauen etwa doppelt so häufig wie Männer. Somatoforme Störungen können im Gegensatz zu vielen anderen psychischen Erkrankungen in jedem Alter auftreten. Ursache hierfür sind oft Belastungsreaktionen auf ein Lebensereignis, Störung der Affektwahrnehmung wie z. B. Anspannung oder dass Stress nicht adäquat wahrgenommen und konstruktiv abgebaut wird.

Persönlichkeitsstörungen stellen eine Gruppe von tiefgreifenden psychischen Erkrankungen dar. Sie äußern sich dahingehend, dass die betroffenen Personen sich grundlegend in ihrem Verhalten wenig flexibel zeigen und im sozialen Kontext oftmals Schwierigkeiten haben oder auffallen Sie gehören zu den häufigsten Diagnosen in der Psychiatrie.

Persönlichkeitsstörungen bezeichnen lang andauernde Erlebens- und Verhaltensmuster mit vielfältiger Verursachung, wie etwa genetische Faktoren oder ungünstige Bedingungen während der Kindheit. Die Entwicklung der Persönlichkeitsstörung wird als Ergebnis komplexer Wechselwirkungen aus Umweltfaktoren wie z. B. Eltern, Umfeld und genetischer Veranlagung angesehen. Die gezeigten Verhaltensmuster weichen von einem flexiblen, situationsangemessenen Erleben und Verhalten in charakteristischer Weise ab. Persönlichkeitsstörungen können in verschiedene Bereiche eingeteilt. Die Einteilung lässt sich in die Paranoide-, Schizoide-, Dissoziale-, Emotional instabile-, Histronische-, Zwanghafte-, Ängstlich vermeidende-, Abhängige, Schizotypische-, Narzisstische-, Passiv-aggressive sowie kombinierte Persönlichkeitsstörungen vornehmen. Hierbei sind jedoch Abgrenzung bzw. Differentialdiagnosen zu beachten, wie die Organische Wesensveränderungen (Demenz, Alkohol, Schädel Hirn Trauma), Affektive Störungen (Depressionen, Bipolare Störungen), Autismus (Persönlichkeitsstörungen oft als Komorbidität).  

In Deutschland ist ca. 10% der Bevölkerung und unter psychiatrischen Patienten sogar 40 – 60 % davon betroffen. Die Therapie erfolgt in erster Linie durch psychotherapeutische Verfahren wie etwa die Verhaltenstherapie sowie einer medikamentösen Therapie.

Hochbegabung an sich ist keine psychische Erkrankung oder Störung, kann aber psychische Auffälligkeiten nach sich ziehen. Hochbegabte Kinder und Jugendliche zeichnen sich häufig, aber nicht immer, durch eine schnelle Auffassungsgabe, ein gutes Gedächtnis, einen weit entwickelten Wortschatz und vielfältige Interessen aus.

Von einer Hochbegabung spricht man, wenn der messbare Intelligenzquotient (IQ) über 130 liegt, was nur auf ungefähr 2% der Heranwachsenden zutrifft. Der IQ eines Menschen lässt sich mithilfe von umfangreichen Testverfahren prüfen, welche die kognitiven Fähigkeiten der Testperson mit den Leistungen von Gleichaltrigen vergleicht. Eine Hochbegabung stellt für sich allein genommen keine klassifizierbare psychische Störung dar und ist aufgrund dessen nicht behandlungsbedürftig. In seltenen Fällen kann es jedoch sein, dass die überdurchschnittliche Begabung eine andere psychische Erkrankung mitverursacht.  

Kinder und Jugendliche mit einer sozialen Phobie befürchten in bestimmten sozialen Situationen gedemütigt zu werden, sich lächerlich zu machen oder zu versagen. Die Angst bezieht sich daher oft auf Situationen, in denen man beobachtet oder bewertet werden könnte (z.B. Referat halten, auf fremde Gruppe Gleichaltriger treffen, vor anderen essen). Solche sozialen Situationen oder Auftritte werden daher oft vermieden oder nur unter erheblicher Angst mit intensiven Körperempfindungen ertragen (z.B. Rotwerden, hoher Puls, Schwitzen, Zittern).

Soziale Phobien sind eine der häufigsten Störungen im Kindes- und Jugendalter (7-13%). In der Verhaltenstherapie wird daran gearbeitet, problematische Gedanken und Verhaltensweisen zu erkennen, aktiv Veränderungen anzustreben und sich den Ängsten zu stellen, sodass es mit der Zeit wieder möglich wird, soziale Situationen gelassener aufzusuchen. Beim Vorliegen einer sozialen Phobie ist eine Verhaltenstherapie sehr empfehlenswert, da die Ängste ohne eine Behandlung oft chronisch werden und auch im Erwachsenenalter zu erheblichen Einschränkungen führen können.

Für nähere Informationen empfehlen wir folgenden Link:

https://www.psychenet.de/de/psychische-gesundheit/informationen/soziale-phobie.html

Depressive Episoden in leichter bis schwerer Form sind die häufigsten seelischen Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter. Diese können bereits bei Kleinkindern auftreten. In der Pubertätsentwicklung steigt jedoch die Wahrscheinlichkeit an einer depressiven Störung zu erkranken sehr stark an. 3 bis 10 % der Jugendlichen von 12 bis 17 Jahren sind betroffen.

Oft ist es schwierig zu unterscheiden, wo als normal geltende Stimmungsschwankungen aufhören und wo die Symptome einer Depression beginnen. Die Gründe für die Entwicklung einer Depression sind multifaktoriell, das bedeutet es spielen oft mehrere ungünstige Faktoren zusammen, wie z.B. psychische Erkrankungen in der Familie, belastenden Lebensumstände, körperliche Erkrankungen oder soziale Einschränkungen.

Eine Depression im Kindes- und Jugendalter kann sich wie folgt äußern:

Häufiges Weinen, wenig Ausdruck im Gesicht (Kind wirkt gleichgültig), Ess- und Schlafstörungen, Ängstlichkeit, wenig Selbstvertrauen, Kind hat auf nichts Lust, zieht sich zurück. Aber auch Wutausbrüche, aggressives Verhalten und übermäßiger Medienkonsum können im Kindes- und Jugendalter Hinweise auf eine depressive Entwicklung sein.

Depressionen können Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung stark einschränken, z.B. im Kontakt zu Gleichaltrigen, in ihrer Schullaufbahn, in der Familie, in der Entwicklung einer gesunden Sexualität und dem Interesse an einer Liebesbeziehung, im Selbstwirksamkeitserleben und dem Entwickeln von Zielen und Zukunftsperspektiven.

Literaturhinweise:

· https://www.deutsche-depressionshilfe.de/depression-infos-und-hilfe/depression-in-verschiedenen-facetten/depression-im-kindes-und-jugendalter

· Kognitive Verhaltenstherapie bei depressiven Kindern und Jugendlichen, Harrington 2001 und 2013, 2. Auflage

Eine Person, die Zwangshandlungen und/ oder Zwangsgedanken hat, erlebt einen Drang bestimmte Inhalte zu denken (Zwangsgedanken) und zu tun (Zwangshandlungen). Die Person leistet Widerstand den Impuls auszuführen. Der Inhalt der Gedanken und Handlungen wird von der Person als sinnlos und nicht zielführend angesehen. Zwangsgedanken und Handlungen führen zu einer Beeinträchtigung des Lebensvollzuges. Häufige Zwangshandlungen sind Waschzwänge. Häufig haben Betroffene Angst durch den Kontakt mit Schmutz krank zu werden oder andere anzustecken. 2-3% der Bevölkerung entwickelt einmal im Leben eine Zwangsstörung, Rasmussen & Eisen (1992).

Zwänge können sehr gut mit verhaltenstherapeutischen Methoden behandelt werden. Die Patienten lernen im Rahmen der Verhaltenstherapie sich mit ihren Zwängen zu konfrontieren. Dabei wird die Erfahrung gemacht, dass Gefühle wie Ekel und Angst und der Drang die Handlung auszuführen abnehmen. Zudem nehmen Zwangsgedanken ab. Darüber hinaus können Psychopharmaka Zwangssymptome abmildern. Jedoch ist die Verhaltenstherapie der Pharmakotherapie in ihrer Wirksamkeit überlegen. 

Autismus-Spektrum-Störungen sind tiefgreifende Entwicklungsstörungen in unterschiedlichen Ausprägungen. Dabei zeigen die betroffenen Kinder und Jugendlichen ein reduziertes Interesse an sozialen Kontakten und haben Probleme, soziale Interaktionen zu deuten und zu verstehen. Auch Defizite in der Sprachentwicklung und stereotype Verhaltensweisen sind häufig.

Autismus-Spektrum-Störungen betreffen ca. 1% im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter. Auch wenn diese Störungen als nicht ursächlich heilbar gelten, können durch verhaltenstherapeutische und übende Ansätze die sozialen, sprachlichen und alltagspraktischen Fähigkeiten gefördert werden. Die soziale Interaktion kann beispielsweise im Spiel und im Alltag kleinschnittig geübt werden und auch begleitend auftretende Ängste, Zwänge oder Depressionen können verhaltenstherapeutisch behandelt werden. Der Einbezug von Eltern und Erziehern ist für die Generalisierung der erlernten Fähigkeiten sehr förderlich.

Für nähere Informationen empfehlen wir folgenden Link:

https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/kinder-jugend-psychiatrie/erkrankungen/autismus-spektrum-stoerung-ass/therapie/  

Selbstverletzendes Verhalten kann verschiedene Verhaltensweisen umfassen die zur Schädigung des eigenen Körpers führen (z.B. sich Schneiden, Verbrennen der Haut, Kopf gegen Gegenstände schlagen). Das Verhalten tritt meistens im Kontext anderer psychischer Erkrankungen auf (z.B. Depressionen, Essstörungen, Angststörungen, Borderline-Persönlichkeitsstörung). Selbstverletzendes Verhalten hat in erster Linie keine suizidalen Absichten, sondern dient der kurzfristigen Entlastung bei intensiven Anspannungsgefühlen im Rahmen starker negativer Emotionen (Trauer, Wut, Verzweiflung, Selbsthass, Suizidgedanken, Einsamkeit usw.). Ca. 25% der Jugendlichen sollen sich im Laufe ihres Lebens schon einmal selbst verletzt haben, ungefähr 4% der Jugendlichen zeigen wiederholtes selbstverletzendes Verhalten.

In der Therapie liegt der Fokus auf der Verhaltensanalyse (individuelle Auslöser und Konsequenzen identifizieren), dem bewertungsfreien Wahrnehmen der eigenen Gefühle, dem inneren Achtsamkeitstraining, dem Aufbau von alternativen Fertigkeiten zur Stressbewältigung, von sozialen Kompetenzen und der Steigerung des Selbstwertgefühls.

Für nähere Informationen empfehlen wir folgenden Link:
Was ist selbstverletzendes Verhalten?

Schwänzt ein Kind oder ein:e Jugendliche:r die Schule, muss nach der zugrunde liegenden Motivation unterschieden werden. So ist das Vermeiden des Schulbesuchs aufgrund von Angst ( in Bezug auf die Schule, die Mitschüler oder Angst um Angehörige) die eine eigene Erkrankung darstellt (Schulphobie) von Schwänzen zu unterscheiden. Schwänzen geschieht meist aufgrund niedriger Lernmotivation oder genereller Unlust auf das Schülerdasein. Häufig zeigen diese Kinder oder Jugendlichen ein oppositionelles und mitunter aggressives Verhalten und haben Schwierigkeiten, sich an Regeln und Absprachen zu halten. Darum ist Schule schwänzen auch ein Symptom der Störungen des Sozialverhaltens. Etwa 100.000 bis 200.000 Schüler:innen in Deutschland, insbesondere Haupt- und Sonderschüler:innen, schwänzen intensiv die Schule. Hilfe zur Abklärung der Ursachen und Differenzialdiagnostik sind sinnvoll und werden durch Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut:innen oder niedergelassene Fachärztinnen für Kinder- und Jugendpsychiatrie angeboten. Eltern können sich zudem an den sozialpsychologischen Dienst der Stadt bzw. Schule und/oder kirchliche Beratungsstellen vor Ort wenden.

Weiterführende Informationen finden Sie z.B. auch hier:
Neurologen und Psychiater im Netz

Es wird unterschieden zwischen der Anorexia nervosa (häufig Magersucht genannt) und der Bulimia Nervosa.
Bei der Anorexia nervosa steht im Vordergrund ein sehr niedriges Gewicht oder das Fehlen einer angemessenen Gewichtszunahme. Die Betroffenen leiden häufig an einer Körper-Schema-Störung und empfinden sich trotz niedrigen Gewichts als zu dick. Zudem besteht häufig eine Störung der Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse, was sich z.B. durch Libidoverlust oder durch das Ausbleiben der Menstruation zeigt und die körperliche Entwicklung zeitlich verzögern oder verändern kann. Es handelt sich um eine schwere, potentiell bedrohliche Erkrankung.
Die Bulimia nervosa ist charakterisiert durch häufige Essattacken und eine übermäßige Beschäftigung mit dem Essen. Die Betroffenen versuchen der Gewichtszunahme durch Verhaltensweisen wie selbstinduziertes Erbrechen, Missbrauch von Abführmitteln oder übermäßiger sportlicher Betätigung entgegenzuwirken.
Die Therapie der beiden Störungsbilder fokussiert eine Normalisierung des Gewichts und des Essverhaltens. Zudem werden die zugrundeliegenden Problembereiche mit verschiedenen Techniken bearbeitet. Die Körperwahrnehmung wird dabei z.B. unter anderem mit Hilfe von Körperübungen und kognitive Techniken verändert.

Bei dieser Form des Mobbings werden Kommunikationsmedien dazu genutzt Opfer zu bedrohen und zu schikanieren. Zum Einsatz kommen hier Instant Messenger, Social Media Netzwerke, Chatrooms oder Foren, aber auch E-Mail und SMS, in welchen etwa Unwahrheiten, Lügen, Fotos, Videos und privates oder entwürdigendes Material über das Opfer geteilt werden. Durch den Verbreitungsweg des Internets kann dabei schnell eine riesige Öffentlichkeit erreicht werden. Besonders häufig sind junge Menschen zwischen 12 und 25 Jahren betroffen. Für die Opfer ist der Leidensdruck häufig sehr hoch. Die Folgen können Depression, Panik- und Angststörungen, Zwänge, Essstörungen, Traumatisierung, Selbstmordgedanken oder -versuche und vieles mehr sein. Neben einer Psychotherapie können Betroffene und deren Familien sich an spezielle Beratungsstellen wenden.

Erste Kontakte und Beratung bietet auch die Nummer gegen Kummer:
Kinder und Jugendliche wählen 0800 / 1110333
Eltern und Pädagogen wählen 0800 / 1110550
oder die Jugend-Notmail: https://www.jugendnotmail.de

Weitere Infos:
Chatten ohne Risiko?
Sicher vernetzt

Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung, kurz ADHS, zeichnet sich durch eine Beeinträchtigung der Aufmerksamkeit, der Impulskontrolle und der Aktivität aus. Betroffenen fällt es oft schwer, sich ausdauernd, ruhig und konzentriert mit einer Aufgabe zu beschäftigen. Sie wirken häufig abgelenkt oder unaufmerksam und können durch unbedachte, plötzliche Handlungen auffallen.

Schätzungen gehen davon aus, dass 3-8% der 6- bis 18-jährigen von diesem Störungsbild betroffen sind. Aufgrund der vielfältigen Lebensbereiche die bei Kindern und Jugendlichen mit einem ADHS beeinträchtigt sein können, werden häufig multimodale Therapien umgesetzt.

Als hilfreich haben sich verhaltenstherapeutische Maßnahmen wie z.B. das Erarbeiten konkreter, hilfreicher Strategien zur Reduktion der Konzentrationsprobleme und impulsiven Handlungen, aber auch therapeutische Maßnahmen zur Stabilisierung des Selbstwerts sowie Interventionen im Kindergarten oder in der Schule und medikamentöse Ansätze herausgestellt. Eine frühzeitige Überprüfung bei auftretenden Symptomen kann zudem zu einer Entlastung Betroffener und deren Familien führen.

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